Unternehmensnachfolge im Mittelstand

Unternehmensnachfolge im Mittelstand

Viele mittelständische Unternehmen unterschätzen den Zeitbedarf für eine anstehende Nachfolgeregelung. In einem Fokusbericht der Commerzbank empfehlen Experten einen Vorlauf von mindestens drei, besser fünf oder sogar sieben Jahren – ein Gespräch mit Christine Rademacher, Divisional Head Financial Engineering, wie diese Zeit genutzt werden sollte.

Frau Rademacher, warum sollten Unternehmer schon so frühzeitig die Nachfolgefrage klären?

Die Übergabe des Unternehmens gehört ebenso zum erfolgreichen Lebenswerk eines Unternehmers wie Gründung, Weiterentwicklung, Übernahme oder Kauf – und das kann nicht optimal gelingen, wenn am Ende unter Zeitdruck gehandelt werden muss. Wer bereits frühzeitig die Übergabe plant, hat ausreichend Zeit, zwischen den Optionen der internen oder externen Nachfolge auszuwählen und einen Plan B umzusetzen, falls Plan A nicht funktioniert.

Ist das alles auch erforderlich, wenn das Unternehmen in der eigenen Familie weitergegeben wird?

Auch wenn die Übergabe der Unternehmensleitung an die nächste Generation für viele familiengeführte Unternehmen die anfangs favorisierte Lösung ist: Am Ende setzen nur ca. 40 Prozent eine innerfamiliäre Lösung um, 60 Prozent gehen den Weg eines externen Verkaufs. Bei der Umsetzung einer innerfamiliären Nachfolgeregelung bietet es sich an, die Gesellschafterverhältnisse zu bereinigen und strategisch sinnvoll aufzustellen. Hierbei sind vielfältige Fragestellungen zu berücksichtigen, zum Beispiel eine profunde Bewertung der Anteile und die Finanzierung der an die ausscheidenden Gesellschafter zu zahlenden Kaufpreise. Dabei sollte sich der Unternehmer frühzeitig von einem erfahrenen Beraterteam aus Finanzieren, Steuer- und Gesellschaftsrechtlern unterstützen lassen.

Unabhängig von der geplanten Nachfolge ist es elementar, auf Schicksalsschläge vorbereitet zu sein, die ad hoc eine Nachfolgeregelung notwendig machen. Deshalb sollte immer sichergestellt sein, dass das Unternehmen erfolgreich weitergeführt werden kann – beispielsweise mit einem „Notfallkoffer Unternehmensnachfolge“, der laufend gepflegt wird und Regelungen zur Geschäftsführung, zum Gesellschaftsvertrag sowie zum Testament enthält.

Was macht die Nachfolgeregelung eigentlich so anspruchsvoll?

Mit der Größe und Struktur eines Unternehmens geht auch die Komplexität der Unternehmensübergabe einher. Bei Jahresumsätzen von mehr als 20 Millionen Euro sollte unbedingt fachliche Begleitung in Form einer M&A-Beratung hinzugezogen werden, wie das in Steuer- und Rechtsfragen ganz selbstverständlich ist. Beispielsweise kommt es immer wieder vor, dass zunächst aussichtsreiche Gespräche ins Stocken geraten oder sogar scheitern, weil der Verkäufer die wahren Absichten sowie die Fähigkeiten seines möglichen Nachfolgers und der Käufer den wahren Wert sowie die Substanz des Unternehmens nicht genau einschätzen können. Bei der Überwindung solcher Informationsasymmetrien helfen M&A-Berater, indem sie die Verhandlungspartner auf einzelne Probleme hinweisen und gemeinsam mit ihnen Lösungsvorschläge entwickeln. Das Aufgabenspektrum einer M&A-Beratung ist aber umfassender. Die Commerzbank hilft nicht nur bei der Suche nach einem Kaufinteressenten, sondern begleitet sowohl den Verkäufer als auch den Käufer während des gesamten Transaktionsprozesses. Und natürlich unterstützt sie auch bei der Finanzierung des Kaufs.

Wie sieht eine solche Finanzierung aus?

Im Mittelpunkt steht die Frage, wie die Übernahmefinanzierung im Hinblick auf das Verhältnis der verschiedenen Finanzierungsinstrumente unter Berücksichtigung ihrer Kapitalkosten, ihrer Fristigkeit und notwendiger Sicherheiten strukturiert werden soll. Dabei hängen die Einsatzmöglichkeiten der Finanzierungsinstrumente von der Rechtsform des Zielunternehmens und des Käufers ab. Die Finanzierung einer Unternehmensakquisition ist also ein facettenreicher Prozess. Aus diesem Grund erwartet auch fast die Hälfte der Unternehmen, die in den kommenden fünf Jahren vor einem Wechsel an der Führungsspitze stehen, Unterstützung bei der Optimierung der Finanzierungsstruktur von ihren Bankpartnern.

Gibt es dafür auch Öffentliche Fördermittel?

Durchaus. Zur Fremdkapitalfinanzierung einer Unternehmensübernahme stehen neben dem klassischen Bankdarlehen zahlreiche Förderkredite von Bund, Ländern und Kommunen zur Verfügung. Sie richten sich in erster Linie an Existenzgründer, Unternehmensnachfolger und KMU. Kennzeichnend sind der deutlich unter dem Kapitalmarktniveau liegende Zinssatz und die tilgungsfreien Zeiten zu Kreditbeginn. Die Kreditvergabe erfolgt nach dem Hausbankprinzip. Demnach werden öffentliche Förderkredite nicht direkt von den Landesförderbanken oder der KfW vergeben, sondern müssen vom Unternehmensnachfolger vor dem Unternehmenskauf über seine Hausbank beantragt werden. Die Hausbank ist also erster Ansprechpartner.

Welche finanziellen Folgen muss der Verkäufer bedenken?

Aus Sicht des Alteigentümers stellt sich die Frage, wie er die zufließenden finanziellen Mittel verwendet bzw. strukturiert anlegt, denn mit der Unternehmensübertragung versiegen in der Regel gewohnte Einnahmequellen wie die Entlohnung für eine bisherige Geschäftsführertätigkeit oder die Möglichkeit regelmäßiger Gewinnentnahmen. Die neuen Rahmenbedingungen legen es nahe, die bestehende Vorsorgeplanung und Vermögensstruktur mit Experten aus dem Wealth Management zu optimieren. Den Ausgangspunkt bildet die Analyse der bestehenden Vermögensstruktur bzw. vorhandener Vermögenswerte. Daneben müssen noch weitere Aspekte wie beispielsweise die familiäre Situation des Altunternehmers, seine persönlichen Anlageziele und seine Risikoneigung, der für den Lebensunterhalt notwendige Kapitalbedarf sowie steuerliche und rechtliche Faktoren berücksichtigt werden. Erst danach lässt sich eine auf die individuellen Bedürfnisse des Altunternehmers zugeschnittene langfristige Vermögensstrukturierung realisieren.

Eine Kurzversion des Fokusberichts Nachfolge finden Sie hier . Wenn Sie den vollständigen Fokusbericht erhalten möchten, sprechen Sie gerne Ihren Firmenkundenbetreuer an.